Innere Kind-Arbeit

"Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit."
Milton Erickson

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Alte Wunden dürfen heilen

Auf der Reise zu unserem inneren Kind spüren wir belastende Emotionen aus der Vergangenheit auf. Diesen
verletzten Anteilen schenken wir unser ganzes Mitgefühl. Wir wenden uns dem ungesehenen Schmerz zu, den wir
schon lange in uns tragen, weil dies der einzig sinnvolle Umgang mit belastenden Emotionen ist. Damals allein
gelassen, bekommt unser inneres Kind heute liebevolle Zuwendung. Es beginnt zu verstehen, dass es genauso, wie
es ist, richtig ist!


Der Begriff «das innere Kind» steht für das, was wir in der Kindheit erlebt und erfahren haben. Alles, was unser Sein, Fühlen und Handeln umfasst, speicherten wir bereits im Mutterleib in unser emotionales und unser physisches Gedächtnis ab. Die unbewussten Prägungen der ersten Lebensjahre lassen uns eine tiefe innere Überzeugung entwickeln, wie und wer wir sind und wie die Welt ist. Dieser kindlichen Optik sind unsere Glaubenssätze entsprungen. Tief in der Seele verwurzelt, prägen sie in Form von emotionalen Mustern und ungünstigen Verhaltensweisen unser Leben bis heute.

Die kindliche Logik

Aus der natürlichen Abhängigkeit heraus fühlt sich das Kind für die Beziehung zu seinen Eltern verantwortlich. Es
verhält sich so, wie es glaubt, von seinen Eltern geliebt zu werden. Insbesondere in widrigen Umständen vermag es
eine enorme Anpassungsfähigkeit zu leisten.


Ist für die kindliche Logik etwas nicht fassbar, löst das Unsicherheit und Stress aus! Fehlt das liebevolle Erklären einer Bezugsperson, begründet das Kind die Dinge selbst und bezieht dabei alles auf sich. Glaubenssätze wie «ich bin nicht wichtig», «ich darf keinen eigenen Willen haben», «ich genüge nicht» und viele mehr, resultieren folglich aus unerfüllten, unbefriedigten und unbeantworteten Beziehungsbedürfnissen.

Das innere Kind braucht dich

Therapie bedeutet, neue Wege zu gehen. Das ist ein bisschen wie gebären und geht meist nicht ganz schmerzfrei.
Will ich in meinem Leben etwas verändern, muss ich mich bewusst dafür entscheiden! Das braucht Mut und die
Bereitschaft, mich meinen Schattenthemen und Gefühlen zu stellen und sie anzunehmen.


Im Unterschied zu damals verfügst du heute über die Kompetenzen des Erwachsenen. Dein inneres Kind hat die
Situation bereits überlebt! Heute bist du nicht mehr allein! Gemeinsam entwickeln wir neue Verhaltensstrategien,
die du diszipliniert umsetzt! Lernen bedeutet Wiederholen.

"Aus unerfüllten, ungesehenen Bedürfnissen entsteht Bedürftigkeit!"
Susanne Hühn

Die therapeutische Arbeit mit dem inneren Kind

In der Arbeit mit deinen kindlichen Anteilen, geht es erstmal darum, deine Prägungen, Glaubenssätze und Muster
bewusst zu machen. Du begreifst sie als Ursache und Hintergrund deiner heutigen Schwierigkeiten.


Mit ihrem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ hat Stefanie Stahl diesen Prozessen eine geniale Form und
Struktur gegeben. Im Herausarbeiten von Schatten- und Sonnenkind, entsteht eine Grundlage, die leicht verständlich ist und der gemeinsamen Orientierung dient. Begreifen wir das Wesen unseres inneren Kindes, verstehen wir uns selbst besser! Wir lernen, wie wir uns unterstützen und regulieren können.

Traumatherapeutisch arbeite ich direkt auf der Ebene des betroffenen inneren Kindes. Wird lediglich mit dem
Erwachsenen gearbeitet, bleibt die Arbeit auf kognitiver Ebene und löst im emotionalen Bereich keine
Veränderungen aus. Der kindlichen Seele benenne und erkläre ich die Situation von damals klar und deutlich. Es
lernt zu verstehen, dass die einst schwierigen Umstände mit dem Unvermögen der Erwachsenen zu tun hatte und
NICHT damit, dass das Kind irgendwie falsch, schlecht oder unzulänglich war!


Damit sich das innere Kind wirklich entspannen und sich wohlfühlen kann, braucht es auch ein Gefühl von Sicherheit. Dieses kommt nicht aus dem Kopf, sondern aus dem Körper, welchen wir miteinbeziehen. Wir schauen, wie das eigene (autonome) Nervensystem funktioniert und was es braucht, um sich sicher und entspannt zu fühlen.
Mehr und mehr darf das innere Kind einfach sein, eigene Bedürfnisse haben, Grenzen setzen, Nähe und Distanz
regeln, eine eigene Meinung haben, Stärken und Schwächen leben, Gefühlen Raum geben, Trost und Beruhigung
erfahren und sich wirklich willkommen fühlen!


Die Therapie ermöglicht dem inneren Kind eine neue Beziehungserfahrung: es wird gesehen, gehört und getröstet!
Seine Rehabilitation heilt auf diesem Weg auch die Wunden des Erwachsenen.